Vita in Versen

 
     
 

Geboren in Stettin, im Winter einundreißig.
Als Söhnchen, Schüler, Pimpf fast immer brav und fleißig.
Im Keller konfirmiert, dieweil der liebe Gott
grad Bomben regnen ließ: SEIN Haus war danach Schrott!

 
Geflohn in Sack und Pack. In Schwaben erst gelandet.
In Hamburgs Trümmerfeld am Ende dann gestrandet.
In Lagern - krank, verlaust - gebetttelt und gelungert.
Zur Rettung schwarz gedealt (mit Cognac!), sonst verhungert.
 
 

Dann gab es wieder Schule. Und eine neue Hose.
Auf neunundvierzig Kilo, da saß sie ziemlich lose.
Beim Schultheater drum bin ich herumgetollt
als dürrer, dummer Junker in Shakespeares "Was Ihr wollt".

 

Durch diese erste Rolle erwuchs in mir der Drang
zu Dichtung und Theater, und zwar mein Leben lang.
Der Lehrer, der das Spielchen so liebevoll betreut,
dem ruf ich zu im Himmel: Ich bin Ihr Werk, Herr Woydt!

 

Studierte Germanistik. Doch kam ich da nicht weiter:
Traf nach ein paar Semestern den nächsten Wegbereiter.
Bei dem war ich nur Lehrling, doch mit weit mehr Interesse:
Hamburger Bücherstube hieß meine Glücks-Adresse.

 
 

Denn Felix Jud, mein Chef - er sei hier hoch gepriesen! -

hat mir den Weg zum Buch, zur Bühne auch gewiesen.

Die Folge war ein Bühnen- und Radio-Kabarettl:

Die Buchfinken, so hieß es, Hamburger Bücherbrettl.

 

Im Funk und auf Tourneen, auch auf der Büchermesse,

warn wir zu hörn, zu sehen - mit ziemlich guter Presse.

Wir haben tolle Texte aus Büchern stets entnommen,

aus geistreich-heitren Werken, die jeder konnt’ bekommen.

 

Als Werbung für die Bücher in Nord und Süd erklang

von unsrer Viererbande der Bücherbrettl-Sang.

(Dies war die beste Lehrzeit wohl meines ganzen Lebens.

Wir spielten fast umsonst zwar, doch keineswegs vergebens!)

 
 

Dann kam die Wirtschaftswerbung und lockte mit viel Geld.

Da hab aufs Kommerzielle ich gern mich umgestellt.

Schrieb tausend Werbefilme, TV-Spots, schlechte, schöne …

Fand auch noch Zeit zur Heirat. Bald kamen schon zwei Söhne.

 

Und dann die Midlife-Crisis! Nach Marketing, Reklame

begann ich etwas Neues. Doch - Hase war mein Name:

Obwohl ich von nichts wusste, begründete ich schlau

ein Reise-Unternehmen mit meiner zweiten Frau!

 
 

(Die KUF-Familienreisen mit Spiel und Spaß für Kinder,

die gibt es heut noch immer. Wir waren die Erfinder.)

Doch bald zog mich die Werbung ein weitres Mal an Land,

als ich die Funk-Reklame, die jeder liebt (!), erfand:

 

Damit den Radiohörer Reklame interessiert,

genügt’s, dass man die Werbung mit Heiterem garniert,

die Spots umrahmt mit Späßchen (was oft der Werbung fehlt),

mit Gags und Tipps und Witzen, von Promis nett erzählt.

 

So einfach die Idee war, so toll war das Ergebnis:

Die Hörer fanden plötzlich die Werbung ein Erlebnis!

Mein Team jedoch erkannte nach manch durchschaffter Nacht,

dass der Erfolg zwar Freude - doch auch viel Arbeit macht!

 
 

Vielleicht fragt sich der Leser, was ich privat so trieb.

Ja, das private Leben - ich weiß nicht, wo es blieb.

Als Privatier erst kommt man zum Lesen und zum Dichten,

zum Reisen, Träumen, Denken und Schreiben von Geschichten.

 

Hat Zeit, sich zu besinnen, was man in so viel Jahren

an Förderung und Zuspruch von andern durft’ erfahren.

Hat Zeit, sich zu bedanken - schaut man auf seine Ernte -

dieweil man, was gelungen, von größ’ren Könnern lernte.